Yuh und Neon Invest haben den Schweizer Börsenhandel demokratisiert: Mit wenigen Klicks lassen sich Aktien und ETFs aus dem Smartphone heraus kaufen — zu Gebühren, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Wir vergleichen die beiden grössten Schweizer Anbieter.

Die Anbieter im Überblick

Yuh ist ein Joint Venture von PostFinance und Swissquote — gegründet 2021. Yuh ist eine Vollbank-App: Konto, Karte, Anlegen, Säule 3a, Hypotheken.

Neon Invest ist die Anlagefunktion der Smartphone-Bank Neon, gegründet 2017. Investieren ist erst seit 2022 verfügbar, baut auf einer Kooperation mit der Hypothekarbank Lenzburg auf.

AspektYuhNeon Invest
AnbieterPostFinance + SwissquoteHypothekarbank Lenzburg
Gründung Trading20212022
BanklizenzJa (über Swissquote)Ja (über Lenzburg)
Einlagensicherung100’000 CHF100’000 CHF

Gebühren: Der wichtigste Vergleich

Yuh:

  • 0,5 % pro Trade in Schweizer Aktien/ETFs (CHF)
  • 0,5 % bei US-Aktien (plus 0,95 % FX-Aufschlag)
  • Sparplan: 0,5 % pro Ausführung
  • Keine Depotgebühr

Neon Invest:

  • 0,5 % pro Trade, mindestens 1 CHF
  • Pauschal 0,5 % Wechselkursgebühr bei Fremdwährungen
  • Sparplan-Funktion: erst 2025 in Entwicklung
  • Keine Depotgebühr

Beispielrechnung: Sie kaufen Nestlé-Aktien für 1’000 CHF.

PositionYuhNeon Invest
Trading-Gebühr5,00 CHF5,00 CHF
Stempelabgabe (0,075 %)0,75 CHF0,75 CHF
Total5,75 CHF5,75 CHF

Bei Schweizer Trades in CHF sind die Gebühren faktisch identisch.

Der Unterschied: Fremdwährungen

Bei US-Aktien zeigt sich der grosse Unterschied:

Sie kaufen Apple für 1’000 USD.

PositionYuhNeon Invest
Trading-Gebühr (0,5 %)5,00 USD5,00 USD
FX-Aufschlag~0,95 % (9,50 USD)~0,5 % (5,00 USD)
Total Gebühr~14,50 USD~10,00 USD

Neon Invest ist bei Fremdwährungstrades knapp 30 % günstiger.

“Costs really do matter in investing. Every dollar you pay in costs is a dollar less of your investment returns.”
John C. Bogle, Gründer Vanguard

Angebotsvielfalt

Yuh:

  • Über 3’000 Aktien (Schweiz, USA, Europa)
  • Rund 200 ETFs (kuratiert)
  • 25+ Kryptowährungen
  • Edelmetalle (Gold, Silber)
  • Säule 3a integriert

Neon Invest:

  • Über 4’000 Aktien (USA, Schweiz, Europa, Asien)
  • Rund 100 kuratierte ETFs
  • Keine Kryptowährungen direkt
  • Keine Säule 3a

Yuh hat das breitere Angebot, vor allem durch die Krypto-Integration und die 3a-Funktion.

Benutzerfreundlichkeit

Beide Apps sind explizit für Anfänger designt. Sie zeigen einfache Charts, klare Preise und vermeiden Profi-Funktionen wie Hebel oder Optionen.

Yuh:
Pro: Ausgereifte Banking-Funktionen, gutes Design, alles in einer App.
Contra: Etwas mehr Komplexität durch die Vielfalt.

Neon Invest:
Pro: Sehr klares, reduziertes Design, fokussiert auf Aktien/ETFs.
Contra: Keine Krypto-Integration, kein 3a, kein Sparplan (noch).

Sicherheit und Regulierung

Beide Anbieter sind FINMA-reguliert und unterliegen der Schweizer Einlagensicherung (100’000 CHF pro Kunde).

Wichtig: Die Einlagensicherung gilt für Bareinlagen, nicht für die Wertschriften selbst. Wertschriften gehören dem Kunden — auch wenn die Bank insolvent wird, sind Aktien und ETFs separat verwahrt (Sondervermögen).

“Die Risiken einer Anlage liegen nicht primär in der Bank, sondern in der Anlage selbst.”
Sinngemäss, anonyme Bankerweisheit

Steuerverzeichnis: Praktisch unverzichtbar

Beide Anbieter erstellen für die Schweizer Steuererklärung ein automatisches Steuerverzeichnis mit:

  • Wertschriftenbestand am 31.12.
  • Bruttodividenden
  • Einbehaltene Quellensteuern
  • Daten für DA-1 (siehe unser Artikel zu US-Quellensteuer und DA-1)

Das Steuerverzeichnis ist bei beiden gratis — bei vielen anderen Brokern (z. B. IBKR) ist das ein deutlicher Mehraufwand.

Nachteile beider Anbieter

Was sie nicht können:

  • Derivate: Keine Optionen, Futures, CFDs, Warrants.
  • Margin/Hebel: Nur reines Cash-Trading, keine Wertschriftendepots auf Kredit.
  • Limit Orders: Nur Market Orders (bei Neon teilweise Limit verfügbar).
  • Komplexe Ordertypen: Keine Stop Loss, keine Trailing Stops.
  • Exchange-Auswahl: Trades laufen über fixe Börsen, keine eigene Auswahl.

Wer aktiv tradet oder Profi-Funktionen braucht, ist bei Swissquote oder Interactive Brokers besser aufgehoben (siehe unser Artikel zu IBKR vs. Swissquote).

Wer für wen?

Yuh ist ideal für Sie, wenn:

  • Sie alles in einer App wollen (Banking + Investieren + Säule 3a)
  • Sie auch Kryptowährungen kaufen möchten
  • Sie noch keine Hauptbank haben oder zu Yuh wechseln würden
  • Sie das Schweizer Banking-Ökosystem schätzen

Neon Invest ist ideal für Sie, wenn:

  • Sie sich rein aufs Anlegen konzentrieren wollen
  • Sie häufig in Fremdwährungen handeln (günstiger FX)
  • Sie ein puristisch-modernes Design bevorzugen
  • Sie bereits ein Neon-Konto haben

Was beide Apps nicht ersetzen

Beide Apps eignen sich primär für Buy-and-Hold und Sparpläne. Wer regelmässig kurzfristig handelt, zahlt mit 0,5 % pro Trade schnell überproportional viel. Bei IBKR liegen Trades unter 0,1 %.

Auch wer fortgeschrittene Analyse-Tools, Multi-Charts oder Order-Book-Tiefe will, findet diese nirgendwo in den Apps. Beide sind explizit für passive Anleger konzipiert.

Fazit

Yuh und Neon Invest sind beide solide Smartphone-Broker für Schweizer Einsteiger. Die Unterschiede liegen weniger in den Gebühren als in der Philosophie:

  • Yuh: All-in-One — Banking, Investieren, Crypto, 3a in einer App.
  • Neon Invest: Fokussiert — günstig in Fremdwährung, klar designt.

Beide bieten 100’000 CHF Einlagensicherung, automatische Steuerauszüge und Schweizer Banklizenz. Für die meisten Sparer ab 18 Jahren mit einem Anlagehorizont von 10+ Jahren reicht eine der beiden vollkommen aus.

Wer maximal flexibel sein will, kombiniert beides: Yuh für die Säule 3a und Crypto, Neon Invest für die regelmässigen ETF-Käufe in USD/EUR.


Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einschätzung und stellt keine Anlage- oder Brokerberatung dar. Gebühren entsprechen dem Stand 2024 und können sich ändern. Beide Anbieter sind unabhängig — wir erhalten keine Vergütung für Empfehlungen.