Bitcoin-ETF oder echtes Bitcoin? Was für Schweizer Anleger sinnvoller ist
Spot-Bitcoin-ETFs, ETPs oder Coins in der eigenen Wallet: Die Unterschiede bei Kosten, Steuern, Verwahrung und Risiko für Anleger aus der Schweiz.
Wer am Bitcoin-Kurs teilhaben will, muss längst nicht mehr selbst Coins kaufen und verwahren. Mit Spot-Bitcoin-ETFs und ETPs gibt es regulierte Wertpapiere, die den Bitcoin-Preis abbilden. Doch was ist für einen Schweizer Anleger die bessere Wahl, das Wertpapier oder das echte Coin? Die Antwort hängt von Steuern, Kosten und dem Bedürfnis nach Kontrolle ab.
Die drei Wege, in Bitcoin zu investieren
| Variante | Was Sie besitzen | Verwahrung |
|---|---|---|
| Echtes Bitcoin | Den Coin selbst | Eigene Wallet oder Börse |
| Bitcoin-ETF / ETP | Ein Wertpapier auf den Kurs | Im Wertschriftendepot |
| Bitcoin-Futures-ETF | Ein Wertpapier auf Termingeschäfte | Im Wertschriftendepot |
Bei echtem Bitcoin halten Sie den Schlüssel und damit die volle Kontrolle. Beim ETF oder ETP halten Sie ein Wertpapier, das eine Emittentin für Sie mit Bitcoin hinterlegt.
Der Steueraspekt: hier wird es für Schweizer interessant
Das ist der entscheidende Punkt, und er fällt zugunsten von echtem Bitcoin aus, zumindest für langfristige private Anleger.
Echtes Bitcoin im Privatvermögen profitiert von der Schweizer Grundregel: Kursgewinne sind steuerfrei. Sie zahlen lediglich Vermögenssteuer auf den Bestand.
Ein Bitcoin-ETF oder ein ETP ist ein Wertpapier, das ebenfalls als Vermögen zählt. Auch hier sind Kursgewinne für private Anleger grundsätzlich steuerfrei. Der Unterschied liegt in den Details: ETPs können je nach Konstruktion eine Emittentin im Ausland haben, und manche Produkte schütten aus oder haben komplexe Strukturen, die im Einzelfall steuerlich anders behandelt werden. Bei einem simplen, physisch hinterlegten Produkt sind die Unterschiede aber meist gering.
Kosten: ETFs haben laufende Gebühren
Ein wichtiger Unterschied sind die laufenden Kosten:
Echtes Bitcoin: Sie zahlen einmalig eine Kaufgebühr (bei Schweizer Anbietern oft rund 1 %) und gegebenenfalls Wallet-Hardware. Danach fallen keine laufenden Gebühren an.
ETF / ETP: Hier zahlen Sie eine jährliche Verwaltungsgebühr (TER), oft zwischen 0,2 % und 2 % pro Jahr. Über viele Jahre summiert sich das.
Über kurze Zeiträume sind ETPs durch den einfachen Kauf attraktiv. Über lange Haltedauern können die laufenden Gebühren echtes Bitcoin günstiger machen.
Verwahrung: Kontrolle gegen Bequemlichkeit
Hier liegt der eigentliche Kern der Entscheidung.
Echtes Bitcoin bedeutet: Sie sind selbst für die Sicherheit verantwortlich. Wer den privaten Schlüssel verliert, verliert die Coins, niemand kann sie wiederherstellen. Das ist gleichzeitig die Stärke (keine dritte Partei kann Ihnen den Zugriff verwehren) und die Schwäche (kein Sicherheitsnetz).
Ein ETF / ETP nimmt Ihnen die Verwahrung ab. Die Coins liegen bei einer professionellen Verwahrstelle. Dafür vertrauen Sie darauf, dass die Emittentin solide ist.
Wann passt was?
Echtes Bitcoin eignet sich, wenn Sie:
- langfristig halten wollen (steuerfreie Kursgewinne, keine laufenden Gebühren)
- die volle Kontrolle über Ihre Coins schätzen
- bereit sind, sich mit Wallet-Sicherheit auseinanderzusetzen
Ein ETF / ETP eignet sich, wenn Sie:
- Bitcoin einfach im bestehenden Wertschriftendepot halten wollen
- sich nicht mit Schlüsseln und Wallets beschäftigen möchten
- den Bitcoin-Anteil bequem im Portfolio rebalancieren wollen
Fazit
Für den Schweizer Langfrist-Anleger spricht steuerlich und kostenseitig viel für echtes Bitcoin, sofern man bereit ist, sich mit der sicheren Verwahrung zu befassen. Wer Bequemlichkeit und Integration ins Depot bevorzugt, fährt mit einem physisch hinterlegten ETP gut.
Die Entscheidung läuft am Ende auf eine Frage hinaus: Wollen Sie die Verantwortung für Ihre Coins selbst tragen, oder delegieren Sie sie lieber gegen eine jährliche Gebühr?
Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochvolatil; investieren Sie nur Mittel, deren Verlust Sie verkraften können.