Die zwei Welten: passiv vs aktiv

ETFs (Exchange Traded Funds) und aktive Fonds verfolgen unterschiedliche Philosophien:

  • ETF: Bildet einen Index nach (z.B. SMI, MSCI World, S&P 500). Keine aktive Auswahl, kein Manager, der versucht, den Markt zu schlagen. Stattdessen wird einfach der Index gespiegelt.
  • Aktiver Fonds: Ein Fondsmanager und sein Team wählen Aktien aus, mit dem Ziel, den Markt zu übertreffen (“Outperformance” oder “Alpha”).

Klingt simpel, aber die Konsequenzen sind enorm.

Kosten: Der grösste Unterschied

Die Verwaltungskosten (TER = Total Expense Ratio) sind der entscheidende Punkt:

ProdukttypTypische TER
Welt-ETF (z.B. MSCI World)0,07–0,20%
Schweizer Aktien-ETF0,10–0,30%
Aktiv gemanagter Aktienfonds1,00–2,00%
Aktiv gemanagter Schwellenländerfonds1,50–2,50%

Klingt nach einem kleinen Unterschied? Rechnen wir nach:

Beispiel: 100.000 CHF/EUR, 30 Jahre Anlagedauer, 7% jährliche Bruttorendite.

  • Mit 0,20% TER (ETF): Nach 30 Jahren rund 715.000
  • Mit 1,80% TER (aktiver Fonds): Nach 30 Jahren rund 456.000

Differenz: 259.000, nur wegen der Kosten. Albert Einstein soll den Zinseszins als “achtes Weltwunder” bezeichnet haben. Das gilt auch umgekehrt: Kostenfresser wirken über lange Zeiträume verheerend.

Performance: Was sagen die Daten?

Die jährlichen SPIVA-Reports (S&P Indices Versus Active) zeigen Jahr für Jahr: Die Mehrheit der aktiven Fonds schlägt ihren Benchmark NICHT. Über 10 oder 15 Jahre schaffen es in den meisten Marktsegmenten weniger als 20% der aktiven Fonds, ihren Vergleichsindex zu übertreffen.

Die wichtigsten Gründe:

  1. Kosten: Auch ein durchschnittlich performender aktiver Manager bleibt nach Abzug der Gebühren hinter dem Index zurück.
  2. Markteffizienz: Vor allem in entwickelten Märkten (USA, Schweiz, Deutschland) sind Informationen so schnell eingepreist, dass es kaum systematische Vorteile gibt.
  3. Survivorship Bias: Schlechte Fonds werden geschlossen oder verschmolzen. Wenn man nur die “überlebenden” Fonds vergleicht, sieht die Statistik besser aus als die Realität.

Wann macht ein aktiver Fonds doch Sinn?

Es gibt Nischen, in denen aktives Management eher funktioniert:

  • Schwellenländer-Spezialfonds mit lokalem Know-how
  • Small-Cap-Fonds in weniger effizienten Märkten
  • Spezialthemen (z.B. Biotech, wo Expertise wirklich zählt)

Aber selbst dort: Die Mehrheit der aktiven Fonds schlägt ihren Index nicht. Und die Gebühren essen den Vorteil oft auf.

Steuerliche Unterschiede in DACH

Schweiz:

  • ETFs und Fonds werden steuerlich gleich behandelt
  • Bei der Vermögenssteuer zählt der Marktwert am 31.12.
  • Ausschüttungen (Dividenden, Zinsen) sind als Einkommen steuerpflichtig
  • Bei thesaurierenden Fonds wird der pauschale Ertrag versteuert (sog. ESTV-Kurs)
  • Kapitalgewinne beim Verkauf sind für Privatanleger steuerfrei

Deutschland:

  • ETFs und Fonds unterliegen der Abgeltungsteuer (25% + 5,5% Soli + ggf. Kirchensteuer)
  • Teilfreistellung: Bei Aktienfonds (>51% Aktienanteil) sind 30% der Erträge steuerfrei
  • Vorabpauschale: Auf thesaurierende Fonds wird jährlich eine pauschale Steuer fällig, auch wenn du nichts verkauft hast. Für 2026 wurde der Basiszins auf 3,20% festgesetzt.
  • Sparerpauschbetrag 2026: 1.000 EUR (Singles) / 2.000 EUR (gemeinsam veranlagt)

Österreich:

  • KESt 27,5% auf Erträge und Kursgewinne
  • Achtung bei thesaurierenden Fonds: Hier gibt es die “ausschüttungsgleichen Erträge”, die jährlich versteuert werden, auch wenn nichts ausgeschüttet wird
  • Steuereinfache Broker (Trade Republic, Flatex, etc.) führen die KESt automatisch ab. Bei ausländischen Brokern muss alles selbst deklariert werden.

Liquidität und Handelbarkeit

ETFs: Werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Du kannst während der Handelszeiten jederzeit kaufen und verkaufen, der Kurs ändert sich live.

Aktive Fonds: Werden meist einmal täglich zum Net Asset Value (NAV) abgerechnet. Wenn du um 14 Uhr eine Order gibst, wird sie zum Schlusskurs ausgeführt, du weisst beim Order-Eingang nicht, zu welchem Preis du genau kaufst.

Synthetische vs physische ETFs

Bei ETFs gibt es zwei Replikationsmethoden:

  • Physisch: Der ETF kauft die echten Aktien des Indexes. Vorteil: einfach nachvollziehbar.
  • Synthetisch: Der ETF tauscht mit einem Swap-Partner die Indexrendite. Vorteil: meist günstiger und steuerlich effizienter (vor allem in den USA), aber: Kontrahentenrisiko.

Für Schweizer Anleger, die in US-Aktien investieren, sind synthetische ETFs oft attraktiv, weil sie die US-Quellensteuer von 30% auf Dividenden umgehen können. Bei physischen ETFs muss diese teils mühsam zurückgefordert werden.

Praktische Empfehlung

Für 95% der Privatanleger ist die Antwort klar: breit gestreute ETFs. Ein Welt-ETF (z.B. MSCI World oder FTSE All-World) bildet die Basis. Wer mehr Diversifikation will, ergänzt mit Schwellenländer-ETFs.

Aktive Fonds machen meist nur dann Sinn, wenn:

  • Du sehr spezifische Themen oder Märkte abdecken willst, die kein ETF bietet
  • Du einen Fonds findest, der über 10+ Jahre konsistent outperformt hat (selten!)
  • Du gezielt einen Manager mit hervorragendem Track Record suchst

Fazit

Die meisten Anleger zahlen jahrzehntelang hohe Gebühren für aktive Fonds, die statistisch schlechter abschneiden als ein günstiger Index-ETF. Wer den Unterschied zwischen 0,2% und 1,8% TER über 30 Jahre nicht aktiv bezahlen will, fängt mit ETFs an. Aktive Fonds sind nicht per se schlecht, aber sie müssen sich ihre höhere Gebühr durch Performance verdienen. Und das schafft die Minderheit.