Wer ist Flatex?

Flatex ist ein 1999 gegründeter Online-Broker mit Sitz in Frankfurt am Main, Deutschland. Seit 2009 firmiert das Unternehmen als reine Online-Bank. Heute gehört Flatex zur flatexDEGIRO AG, einer der grössten europäischen Brokerage-Gruppen mit über 3 Millionen Kunden.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Regulierung: BaFin (Deutschland), FMA (Österreich)
  • Einlagensicherung: gesetzlich bis 100.000 EUR pro Kunde
  • Märkte: alle deutschen Börsen, Xetra, ausserbörslicher Handel mit über 30 Partnern
  • Asset-Klassen: Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds, Zertifikate, Optionsscheine, Futures, Forex (über Tochter)

Gebührenmodell 2026

Flatex hat in den letzten Jahren mehrfach Gebührenanpassungen vorgenommen. Die aktuelle Struktur:

Aktien- und ETF-Handel

PositionGebühr
Orderprovision5,90 EUR pro Order (Festpreis)
Handelsplatzgebühr Xetra2,00 EUR + 0,01% (max. 5,90)
Ausserbörslich (Direct Trade)0,90 EUR pauschal + Spread
ETF-Sparpläne1,50 EUR pro Ausführung

Die 5,90 EUR Festpreis-Gebühr ist im Markt-Vergleich Mittelmaß: günstiger als klassische Banken (10-25 EUR), aber teurer als Neobroker wie Trade Republic (1 EUR).

Negativzinsen-Kontoführung

Flatex hat historisch Negativzinsen auf Cash-Guthaben verlangt, ein deutlicher Kritikpunkt. Aktuell (2026) gibt es Modelle mit positiven Zinsen, aber der Anbieter steht hier nicht in der ersten Liga.

Depotgebühren

In der Standardvariante keine Depotgebühren. Aber: Es kann eine “Ausnahmegebühr” für Wertschriften ausländischer Lagerstellen geben (0,1% p.a., min. 1,50 EUR pro Quartal).

Handelsplätze und Auswahl

Flatex bietet Zugang zu:

  • Alle deutschen Regionalbörsen (Stuttgart, Frankfurt, München, Hamburg etc.)
  • Xetra (elektronisches Handelssystem)
  • Tradegate, Gettex, LS Exchange, wichtigste ausserbörsliche Plattformen
  • US-Börsen (NYSE, Nasdaq)
  • Europäische Börsen
  • Schweizer SIX

Über 30 ausserbörsliche Direct-Trade-Partner, was Flatex zu einer interessanten Wahl für Optionsschein-Trader macht, die schnelle Ausführung wollen.

Plattformen

FlatexNEXT: Die Web-Plattform, moderne Oberfläche, Echtzeit-Kurse, Charting mit Hunderten von Indikatoren.

Mobile Apps: iOS und Android verfügbar. Funktional, aber nicht so smooth wie Trade Republic.

Push-Benachrichtigungen: Order-Status, Kurs-Alerts, Markt-Updates.

Stärken

1. Etablierter Broker mit BaFin-Regulierung: 25+ Jahre am Markt, breite Vertrauensbasis.

2. Breite Auswahl an Handelsplätzen: Mehr als bei Trade Republic oder Scalable Capital.

3. ETF-Sparpläne ab 25 EUR Mindestsparrate: Gegen 1,50 EUR pro Ausführung, was bei kleinen Raten teuer wird, bei grösseren ok.

4. Optionsscheine und Zertifikate: Vielfältige Auswahl, gut für aktive Hebel-Trader.

5. Anleihenhandel: Solide Anleihen-Auswahl, was viele Neobroker nicht bieten.

6. Steuereinfach in DE und AT: Abgeltungsteuer und KESt werden automatisch abgeführt.

Schwächen

1. Festpreis-Gebühr 5,90 EUR: Im Vergleich zu Trade Republic (1 EUR) oder Scalable (0,99 EUR im Free-Tarif) deutlich teurer.

2. ETF-Sparplan-Gebühr: 1,50 EUR pro Ausführung, bei monatlich 50 EUR Sparrate sind das 3% Kosten. Bei Trade Republic gratis.

3. Negativzinsen-Geschichte: In den Niedrigzinsphasen verlangte Flatex teilweise Negativzinsen ab niedrigen Schwellen. Auch wenn das 2026 weitgehend hinfällig ist, bleibt die Erinnerung bei vielen Kunden negativ.

4. Plattform-Update-Probleme: Beim Wechsel auf FlatexNEXT 2024 gab es technische Schwierigkeiten und Kundenbeschwerden.

5. Kein Krypto direkt: Wer Bitcoin oder andere Coins direkt handeln will, muss zu Trade Republic, Bitvavo oder Coinbase.

Flatex vs Konkurrenz (Deutschland)

AspektFlatexTrade RepublicScalableComdirect
Order Kosten5,90 EUR1 EUR0,99 EUR (Free)9,90+ EUR
ETF-Sparplan1,50 EURgratisgratismeist gratis
Anzahl Handelsplätzesehr breitnur LS Exchangemehrerebreit
Optionsscheinesehr breitbegrenztmittelbreit
Plattformgutsehr gut (App)gutgut
Steuereinfachjajajaja

Für reine Aktien- und ETF-Investments ist Trade Republic oder Scalable günstiger. Für aktive Optionsschein-Trader, die viele Handelsplätze brauchen, kann Flatex die bessere Wahl sein.

Flatex in Österreich

Flatex ist auch in Österreich aktiv und steuereinfach, die KESt 27,5% wird automatisch abgeführt. Für österreichische Kunden ist Flatex eine der wenigen “klassischen” Brokers neben Trade Republic.

Die Gebühren in AT sind ähnlich wie in DE:

  • 5,90 EUR pro Order
  • 1,50 EUR pro Sparplan-Ausführung
  • Keine Depotgebühren in der Standardvariante

Wer sollte zu Flatex?

Geeignet für:

  • Trader, die viele verschiedene Handelsplätze nutzen wollen
  • Optionsschein- und Zertifikat-Fans
  • Anleger, die Anleihenhandel wollen
  • DE/AT-Kunden, die Wert auf langjährige Broker-Erfahrung legen
  • Trader, die nicht ausschliesslich über LS Exchange handeln wollen (Trade-Republic-Limitation)

Weniger geeignet für:

  • Kleinanleger mit Sparplänen, Trade Republic ist günstiger
  • Einsteiger, die “nur einen MSCI World” wollen, Trade Republic ist einfacher
  • Krypto-Fans, Flatex bietet kein direktes Krypto
  • Daytrader mit hohem Volumen, Spezial-Broker (CFD-Anbieter) sind passender

Beispielrechnung: 1 Jahr bei Flatex

Annahme: 50.000 EUR Depot, 24 Trades pro Jahr (durchschnittlich 2.000 EUR pro Trade), 1 ETF-Sparplan mit 200 EUR pro Monat.

PositionKosten p.a.
Depotgebühr0 EUR
24 Trades × 5,90 EUR141,60 EUR
12 Sparplan-Ausführungen × 1,50 EUR18 EUR
Abgeltungsteuer auf Gewinne(variabel)
Total nicht-Steuer-Kosten159,60 EUR

Bei Trade Republic wäre das (24 Trades × 1 EUR + 0 für Sparpläne) = 24 EUR, ein massiver Unterschied bei aktivem Handel.

Steuerliche Aspekte

Deutschland: Flatex ist steuereinfach. Abgeltungsteuer (25% + 5,5% Soli + ggf. Kirchensteuer) wird automatisch abgeführt. Freistellungsauftrag kann direkt eingerichtet werden (1.000 EUR Single, 2.000 EUR Verheiratete). Vorabpauschale auf thesaurierende ETFs wird automatisch berechnet.

Österreich: Steuereinfach mit KESt 27,5%. Verlustausgleich erfolgt automatisch innerhalb desselben Kalenderjahres.

Schweiz: Flatex ist NICHT für Schweizer Wohnsitzler verfügbar, wie viele deutsche Broker.

Fazit

Flatex ist 2026 ein solider, etablierter Broker für DE und AT, aber nicht mehr die erste Wahl für Privatanleger. Die hohen Trade-Kosten machen ihn unattraktiv im Vergleich zu Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable. Stärken liegen in der Vielfalt der Handelsplätze, dem Optionsscheine-Sortiment und der etablierten Plattform. Wer aktiv Hebelprodukte handelt oder Anleihen wünscht, kann hier richtig sein. Reine ETF-Sparer und Buy-and-Hold-Investoren fahren bei den Neobrokern deutlich günstiger.