KW38: Fed hebt erstmals seit drei Jahren an — US-Renditen über 5 Prozent
Die Fed erhöht auf 3,75–4 Prozent, Nasdaq gewinnt 2,6 Prozent. Die 10-jährige US-Rendite überschreitet 5 Prozent — der SNB-Entscheid folgt am 24. September.
Die Woche vom 15. bis 20. September 2026 brachte die lang erwartete Antwort der US-Notenbank: Die Federal Reserve erhöhte den Leitzins erstmals seit mehr als drei Jahren. Die Reaktion an den Märkten fiel differenziert aus — Technologiewerte legten zu, Anleiherenditen kletterten auf Mehrjahreshochs, und der SMI gab moderat nach. Schweizer Anleger haben mit dem SNB-Entscheid vom 24. September den nächsten wichtigen Termin vor sich.
Der FOMC-Entscheid: Erste Erhöhung seit 2023
Am 16. September hob das Federal Open Market Committee den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte an — auf eine Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Das Votum fiel 12-0 aus. Die Begründung des Komitees war knapp: «Die Inflation bleibt erhöht.» Damit setzt die Fed den Pfad fort, den Fed-Chef Kevin Warsh in seiner Jackson-Hole-Rede im August angedeutet hatte.
Besonders bemerkenswert: 16 von 18 FOMC-Mitgliedern signalisieren im aktualisierten Dot Plot eine weitere Erhöhung noch im laufenden Jahr. Der Markt preist aktuell mindestens einen zusätzlichen Schritt ein. Für Anleger bedeutet das, dass das Zinsumfeld vorerst restriktiv bleibt — der «höher für länger»-Kurs ist keine Drohung mehr, sondern Realität.
US-Börsen: Nasdaq führt, Dow hinkt nach
Die Reaktion auf den Zinsentscheid war zunächst verhalten, dann aber konstruktiv für Technologiewerte. Auf Wochensicht gewann der Nasdaq Composite rund 2,6 Prozent, während der breite S&P 500 rund 0,7 Prozent zulegte. Der Dow Jones Industrial gab hingegen nach — ein Muster, das in Zinsphasen mit Technologie als Haupttreiber nicht ungewöhnlich ist.
Der S&P 500 schloss den Freitag bei rund 7’650 Punkten. Die Jahresbilanz bleibt positiv: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum steht ein Plus von rund 15 Prozent — gestützt von anhaltender KI-Begeisterung und einer robusten US-Wirtschaft, die bisher höhere Zinsen verkraftet. Rekordstände allein sind jedoch kein Kauf- oder Verkaufssignal; entscheidend ist, ob die Unternehmensgewinne die hohen Bewertungen rechtfertigen können. Wer die Hintergründe verstehen will, findet Einordnung im Beitrag zu Volatilität und Marktphasen.
SMI: Seitwärts-Tendenz mit leichtem Minus
Der Swiss Market Index verlor in KW38 rund 1,1 Prozent. Die klassische Schutzfunktion der drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche — die zusammen rund die Hälfte des Index ausmachen — zeigte sich erneut: Der Rückgang fiel deutlich moderater aus als an den US-Leitbörsen an einzelnen schwachen Handelstagen. Gleichzeitig fehlt dem SMI derzeit ein eigener Kurstreiber. Die Berichtssaison ist abgeschlossen, und der Blick richtet sich auf den SNB-Termin sowie auf die globale Zinsentwicklung.
Anleihen, Gold und der Franken
Das auffälligste Bild der Woche lieferte der Anleihenmarkt: Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 5,01 Prozent, die 30-jährige auf 5,33 Prozent — die höchsten Stände seit 2023. Treiber ist die enge Verzahnung von Ölpreis und Renditeerwartungen: Die Korrelation zwischen WTI-Rohöl und der 10-jährigen Treasuryrendite ist mit einem Wert von 0,96 die stärkste seit 2019. Brent-Öl notiert weiterhin bei rund 105 Dollar pro Barrel.
Gold reagierte differenziert auf den Fed-Entscheid. Zunächst drückte der stärker gewordene Dollar auf den Preis, doch zum Wochenende hin erholte sich das Edelmetall und erzielte den ersten Wochengewinn in vier Wochen. Am Freitag notierte Gold bei rund 4’380 Dollar je Unze, umgerechnet etwa 3’590 Schweizer Franken. Strukturell stützen geopolitische Spannungen und Inflationssorgen den Goldpreis, während höhere Zinsen kurzfristig dämpfen — ein klassisches Spannungsfeld.
Der US-Dollar legte nach dem Zinsschritt leicht zu. USD/CHF bewegt sich bei rund 0.82, EUR/CHF notiert nahe 0.945. Der Franken bleibt gegenüber dem Euro schwächer als die Parität — ein Niveau, das die SNB aufmerksam beobachtet, da es die Exportwirtschaft entlastet.
Ausblick KW39: SNB-Entscheid und weitere Fed-Signale
Der wichtigste Termin der kommenden Woche für Schweizer Anleger findet am Donnerstag, 24. September statt: Die Schweizerische Nationalbank gibt ihre vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung bekannt. Bei einem Leitzins von 0 Prozent und einer Schweizer Inflation nahe null erwartet der Markt keine Änderung. Aufschlussreich wird sein, wie die SNB die veränderte Fed-Politik und den stärkeren Dollar bewertet — und ob sie Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt signalisiert.
Darüber hinaus werden in den USA weitere Wirtschaftsdaten zu Konsum und Wohnungsmarkt veröffentlicht, die das Bild für die nächste Fed-Sitzung im November schärfen werden. Das Zinsumfeld bleibt das dominierende Thema für den Rest des Jahres.
Für langfristig orientierte Anleger empfiehlt sich in dieser Phase besonders eine Überprüfung der Portfoliogewichtung: Ein Rebalancing zurück zur Zielallokation ist dann sinnvoll, wenn die Marktbewegungen der letzten Wochen die ursprünglichen Gewichte verschoben haben. Wer noch keinen systematischen Ansatz für solche Phasen hat, findet im Artikel zu Risikomanagement einen strukturierten Einstieg. Und wer mit einem Sparplan investiert, braucht den Fed-Kalender ohnehin nicht zu timen.
Quellen: CNBC Fed-Entscheid September 2026, TheStreet Marktkommentar 18. September, CNBC Öl und Treasuries, Yahoo Finance Goldpreis 18. September
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