Drei Themen haben Börsenwoche 24 geprägt: der grösste Börsengang der US-Geschichte, eine überraschende Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank — und aufkeimende Hoffnungen auf einen Durchbruch im Iran-Konflikt, die den Ölpreis unter Druck brachten und die Aktienmärkte stützten.

SpaceX-Börsengang setzt neue Massstäbe

Das Ereignis der Woche hatte kosmisches Format: SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, debütierte am 12. Juni an der Nasdaq. Der Ausgabepreis lag bei 135 US-Dollar je Aktie; zum Handelsschluss notierte SPCX bei rund 161 Dollar — ein Tagesgewinn von knapp 19 Prozent. Die Marktkapitalisierung überschritt damit 2,1 Billionen Dollar, womit SpaceX zum siebtgrössten börsennotierten Unternehmen der USA aufstieg — vor Tesla.

Der Erfolg zeigt, dass Investoren bereit sind, für überzeugende Zukunftsvisionen hohe Bewertungen zu zahlen. Für Schweizer Anleger gilt das Bekannte: Ein starker erster Handelstag sagt wenig über die langfristige Kursentwicklung aus. Wer sich auf solchen Hype einlässt, sollte zumindest die Positionsgrösse im Verhältnis zum Gesamtportfolio im Blick behalten.

EZB erhöht Leitzins — erste Erhöhung seit über zwei Jahren

Die zweite grosse Überraschung der Woche kam aus Frankfurt. Die Europäische Zentralbank beschloss am 11. Juni, alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte anzuheben. Der Einlagezins stieg von 2,00 auf 2,25 Prozent — der erste Zinsschritt nach oben seit September 2023.

Auslöser ist die hartnäckig hohe Inflation im Euroraum, die die EZB für 2026 mit 3,0 Prozent veranschlagt — weit über dem Ziel von 2 Prozent. Der Energiepreisschock durch den Iran-Konflikt ist dabei der entscheidende Treiber. Für Schweizer Anleger sind die Auswirkungen zweischichtig: Erstens stärkte die Erhöhung den Euro gegenüber dem Franken; EUR/CHF notierte zuletzt um 0.920. Zweitens erhöht eine straffere EZB-Politik den Renditedruck auf europäische Anleihen — was Korrelationen im Portfolio verschieben kann, die in ruhigeren Phasen kaum sichtbar sind.

US-Märkte mit positiver Wochenbilanz

In den USA brachte Dienstag zunächst Gegenwind: Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Mai 2026 kam mit 4,2 Prozent im Jahresvergleich herein, getrieben durch einen Anstieg der Energiepreise um 23,5 Prozent. Der Kern-CPI lag bei 2,9 Prozent — deutlich über dem Fed-Ziel. Beides bestätigte, dass der Disinflationsprozess stockt.

Zum Wochenausklang wendete sich die Stimmung: Berichte über mögliche US-Iran-Friedensgespräche und Hoffnungen auf eine Wiedereröffnung der Strasse von Hormuz liessen den Ölpreis auf rund 85 US-Dollar je Barrel fallen — zwischenzeitlich hatte er die 100-Dollar-Marke überschritten. Das verschaffte den Aktienmärkten Auftrieb: Der Dow Jones überschritt erstmals die Marke von 51’000 Punkten, der S&P 500 schloss die Woche um rund 7’453 Punkte. Die US-Wirtschaft zeigt sich bislang robust, aber die hohe Inflation engt den Spielraum der Fed ein.

SMI, Franken, Gold und Bitcoin: Gemischtes Bild

Der Schweizer Leitindex SMI zeigte sich dank seiner defensiven Schwergewichte — Roche, Novartis, Nestlé — erneut als Stabilitätsanker und bewegte sich um die Marke von 13’400 Punkten. Der Franken blieb gegenüber dem Dollar stark: Ein US-Dollar kostete zuletzt rund 0.797 Franken.

Gold gab im Wochenverlauf nach und notierte zum Freitagsschluss um rund 4’200 US-Dollar je Feinunze, nachdem er zu Wochenbeginn noch bei 4’344 Dollar gelegen hatte. Zwei Faktoren drückten auf den Preis: die nachlassende Geopolitik-Prämie durch die Iran-Hoffnungen und die gesunkenen Zinssenkungserwartungen infolge des heissen CPI-Berichts. Auf Jahresfrist bleibt Gold dennoch deutlich im Plus.

Bitcoin handelte in der Berichtswoche zwischen rund 62’000 und 64’000 US-Dollar — erholt gegenüber den Tiefs der Vorwoche, aber weiterhin unter früheren Jahreshöchstständen. Wer Krypto als Teil des Portfolios hält und die steuerliche Behandlung in der Schweiz besser verstehen möchte, findet im Leitfaden zur Schweizer Krypto-Besteuerung eine aktuelle Übersicht.

Ausblick: Fed und SNB entscheiden in der kommenden Woche

Die Woche ab dem 16. Juni ist für Anleger einer der dichtesten Terminkalender des Jahres:

16./17. Juni — Fed mit Dot Plot: Die Terminmärkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von über 98 Prozent für eine unveränderte Fed Funds Rate bei 3,50 bis 3,75 Prozent ein. Entscheidend sind diesmal die aktualisierten Wirtschaftsprojektionen und der Dot Plot — er zeigt, ob und wann die FOMC-Mitglieder Spielraum für Zinssenkungen sehen. Der heisse CPI-Bericht gibt den hawkischen Stimmen Argumente. Rund um den Termin ist erhöhte Marktvolatilität einzuplanen.

18. Juni — SNB-Quartalsbeurteilung: Die Schweizerische Nationalbank hält ihren Leitzins seit Jahresanfang bei 0 Prozent. Die Teuerung in der Schweiz lag zuletzt bei 1,2 Prozent — innerhalb des Zielbands. Einige Marktteilnehmer spekulieren auf eine Senkung in den negativen Bereich, um eine weitere Franken-Aufwertung zu dämpfen. Klare Signale hat die SNB bislang nicht ausgesendet.

Wer langfristig über einen ETF-Sparplan investiert, braucht weder die Fed- noch die SNB-Sitzung zu timen. Für Anleger mit grösseren Positionen gilt: Strategie prüfen, nicht hektisch reagieren.

Quellen: CNBC/SpaceX IPO, CNBC/CPI, LBBW/EZB, Charles Schwab, Mittelstandcafé/KW24


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