Wenn ein Broker mit “0 CHF pro Trade” wirbt, klingt das verlockend. Doch was viele Anleger nicht wissen: Die explizite Trading-Gebühr ist oft nur ein Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Wir nehmen einen typischen Schweizer Aktienkauf auseinander und zeigen alle Kostenpositionen.

Die fünf Kostenkomponenten

Ein Schweizer Anleger, der eine US-Aktie kauft, bezahlt in der Regel:

  1. Trading-Gebühr (Brokerage)
  2. Spread (Differenz Geld-/Briefkurs)
  3. Devisenwechsel (FX-Aufschlag)
  4. Stempelabgabe (bei Schweizer Brokern)
  5. Quellensteuer (auf Dividenden)

Dazu kommen je nach Anbieter:

  • Depotgebühren (jährlich, oft 0–0,1 %)
  • Inaktivitätsgebühren (z. B. IBKR früher)
  • Tax-Reporting-Gebühren (selten in CH)

Beispielfall: Apple-Kauf für 10’000 CHF

Schauen wir uns konkret an, was ein Schweizer Privatanleger zahlt, der für 10’000 CHF Apple-Aktien (in USD notiert) bei drei verschiedenen Brokern kauft.

Ausgangsannahmen:

  • Apple-Kurs: 200 USD
  • USD/CHF: 0,90
  • Effektiver Kaufwert: ~11’111 USD = 10’000 CHF

Bei Swissquote

PositionBetragErklärung
Trading-Gebühr35,00 CHFPauschale für 5’000–25’000
Stempelabgabe (0,15 % ausl.)15,00 CHFBundesabgabe
FX-Aufschlag (~1,2 %)120,00 CHFWechselkursmarge
Spread (~0,02 %)2,00 CHFKursdifferenz
Total Kaufkosten172,00 CHF1,72 %

Bei Yuh

PositionBetragErklärung
Trading-Gebühr (0,5 %)50,00 CHFProzentuale Gebühr
Stempelabgabe (0,15 %)15,00 CHFBundesabgabe
FX-Aufschlag (~0,95 %)95,00 CHFWechselkursmarge
Spreadminimal
Total Kaufkosten160,00 CHF1,60 %

Bei Interactive Brokers (IBKR)

PositionBetragErklärung
Trading-Gebühr0,35 USDMin. Fixum (in CHF ~0,32)
Stempelabgabe0 CHFIBKR meldet keine Stempelabgabe
FX-Aufschlag (~0,002 %)0,20 CHFInterbank-Spread
Spreadminimal
Total Kaufkosten~0,55 CHF0,006 %

Differenz Swissquote vs. IBKR: Über 170 CHF Mehrkosten, bei einem einzigen Trade.

“Bei einem 30-jährigen Anlagehorizont kostet jeder Prozentpunkt an Gebühren Sie etwa ein Drittel Ihres Endvermögens.”
, John C. Bogle, Gründer Vanguard

Die Stempelabgabe-Falle

Schweizer Banken sind verpflichtet, die Eidgenössische Umsatzabgabe (Stempelabgabe) auf Wertschriftentransaktionen zu erheben:

  • Schweizer Wertschriften: 0,075 %
  • Ausländische Wertschriften: 0,15 %

Bei einem 10’000 CHF-Trade in US-Aktien sind das also 15 CHF nur Stempelabgabe, die jeder Schweizer Broker einziehen muss.

Ausländische Broker wie IBKR sind nicht stempelabgabepflichtig. Hier sparen Aktive deutlich. Bei 100 Trades pro Jahr à 10’000 CHF sind das 1’500 CHF jährliche Ersparnis, nur durch die Stempelabgabe.

Der versteckte FX-Aufschlag

Der Devisenwechselkurs ist die grösste versteckte Kostenposition bei Schweizer Brokern. Beispiele für effektive FX-Aufschläge:

BrokerFX-Aufschlag bei USD
PostFinance E-Trading~1,5 %
Swissquote~0,95–1,2 %
Yuh~0,95 %
Neon Invest~0,5 %
Saxo Bank CH~0,5 %
IBKR~0,002 %

Bei einem 50’000 USD-Trade: 750 CHF Mehrkosten bei Swissquote im Vergleich zu IBKR, nur durch den FX-Aufschlag.

“Banken verdienen ihr Geld nicht durch die offensichtlichen Gebühren, sondern durch die unsichtbaren.”
, Sinngemäss, anonyme Bankerweisheit

Der Spread: Kosten die nirgends stehen

Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs einer Aktie, er existiert auch ohne Broker, taucht aber in keiner Abrechnung auf.

Bei liquiden Aktien wie Apple oder Microsoft: 0,01–0,05 %.
Bei mittelliquiden Schweizer Aktien: 0,1–0,3 %.
Bei illiquiden Small Caps: 1 % und mehr.

Der Spread wird vom Market Maker verdient, Sie kaufen zum höheren, verkaufen zum niedrigeren Kurs. Bei häufigem Handel akkumuliert sich das massiv.

Depotgebühren: Selten aber relevant

Manche Schweizer Broker erheben jährliche Depotgebühren:

  • Kantonalbanken: 0,1–0,3 %
  • UBS, CS, Raiffeisen: 0,15–0,25 %
  • Swissquote, Yuh, Neon: 0 %
  • IBKR: 0 % (mindestens 100 USD-Konto)

Bei 100’000 CHF Depot bedeutet 0,2 % Depotgebühr 200 CHF jährlich, dauerhaft. Über 30 Jahre und mit Verzinsung gerechnet kostet das einen substanziellen Anteil der Rendite.

Quellensteuer: Rückforderbar, aber Aufwand

Die US-Quellensteuer von 15 % auf Dividenden ist via DA-1 zurückforderbar (siehe unser Artikel zur US-Quellensteuer). Wer das DA-1 nicht ausfüllt, verschenkt diese 15 %.

Bei einem 100’000 CHF US-Aktien-Portfolio mit 2 % Dividendenrendite sind das 300 CHF jährliche Verzichtskosten, wenn man nicht zurückfordert.

Welche Kosten wann?

Aktiver Trader (50+ Trades/Jahr):

  • Trading-Gebühr dominiert → IBKR oder Saxo
  • Stempelabgabe summiert sich → IBKR vorteilhaft

Buy-and-Hold-Investor:

  • FX-Aufschlag dominiert → Neon Invest, Saxo
  • Depotgebühren prüfen
  • Stempelabgabe weniger relevant

ETF-Sparer:

  • Sparplan-Konditionen → Swissquote, Yuh, Cornèrtrader
  • Long-term Total Cost wichtig

Krypto-Anleger:

  • Spread (oft 1–2 % auf CH-Plattformen!)
  • FX-Aufschlag bei USD-Coin-Paaren
  • Kraken oder Binance günstiger als Yuh

Total Cost of Ownership (TCO)

Die wirkliche Frage ist nicht “Was kostet ein Trade?”, sondern: “Was kostet mich mein Portfolio über 10 Jahre?”

Beispiel: 100’000 CHF Portfolio, 10 Trades pro Jahr, 2 % Dividende.

Broker1 Jahr10 Jahre
UBS (mit Depotgebühr)~700 CHF~7’000 CHF
Swissquote~450 CHF~4’500 CHF
Yuh~400 CHF~4’000 CHF
IBKR (ohne CH-Steuerverzeichnis-Kosten)~80 CHF~800 CHF

Die Differenz von 6’200 CHF über 10 Jahre ist 6,2 % vom Portfolio, verloren an Gebühren.

Fazit

Die wahren Kosten eines Trades liegen oft beim 5-fachen der beworbenen Trading-Gebühr. Wer langfristig investiert, sollte rechnen:

  1. Trading-Gebühr (offensichtlich)
  2. Spread (für aktive Trader relevant)
  3. FX-Aufschlag (grösste versteckte Position)
  4. Stempelabgabe (CH-spezifisch)
  5. Depotgebühr (langfristig wichtig)
  6. Quellensteuer (rückforderbar, aber Aufwand)

Faustregel: Wer dauerhaft mehr als 0,5 % seines Portfolios pro Jahr für Gebühren bezahlt, ist beim falschen Broker. Bei einem 30-Jahres-Anlagehorizont kostet jeder zusätzliche Gebührenprozentpunkt rund einen Drittel der Endrendite.

Die wichtigste Investition für Schweizer Anleger ist deshalb nicht die Wahl der Aktie, sondern die Wahl des Brokers.


Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einschätzung und stellt keine Anlageberatung dar. Gebühren basieren auf publizierten Tarifen 2024 und können sich ändern. Individuelle Konditionen können abweichen.