Was ist Korrelation?

Die Korrelation misst, wie zwei Wertpapiere sich relativ zueinander bewegen. Der Korrelationskoeffizient liegt zwischen -1 und +1:

  • +1: Perfekt positiv korreliert. Wenn A steigt, steigt B genau gleich stark.
  • 0: Keine Korrelation. Die Bewegungen sind unabhängig voneinander.
  • -1: Perfekt negativ korreliert. Wenn A steigt, fällt B genau gleich stark.

In der echten Welt findest du selten extreme Werte. Die meisten Aktien innerhalb desselben Markts haben Korrelationen von 0,4 bis 0,8, also positiv, aber nicht perfekt.

Warum Korrelation für Diversifikation kritisch ist

Die klassische Vorstellung von Diversifikation: “Ich habe 30 verschiedene Aktien, also bin ich diversifiziert.” Falsch. Wenn alle 30 Aktien aus dem SMI sind, hast du keinerlei Branchen- oder Geo-Diversifikation. Im nächsten Schweiz-spezifischen Crash gehen sie alle gemeinsam runter.

Echte Diversifikation entsteht erst, wenn du Wertpapiere kombinierst, die nicht stark korreliert sind. Das Beste ist sogar eine negative Korrelation, dann fängt eine Position die Verluste der anderen auf.

Historische Beispiele

Aktien vs Staatsanleihen: Lange Zeit als klassische negative Korrelation gefeiert. In Stress-Phasen (2008, 2020-Crash zu Beginn) flohen Investoren aus Aktien in sichere Staatsanleihen, Aktien runter, Anleihen rauf. Das funktionierte gut. ABER: 2022 war das anders. Aktien und Anleihen fielen gemeinsam, weil die Zinswende beide Klassen gleichzeitig traf.

Gold als Krisenversicherung: Gold hat oft eine niedrige bis negative Korrelation zu Aktien, vor allem in Krisenzeiten. Aber: Auch nicht immer. Während des Corona-Crashs im März 2020 fiel Gold zeitweise mit den Aktien, weil Investoren Liquidität brauchten und alles verkauften, was sich verkaufen liess.

Krypto und Aktien: Bitcoin galt früher als “unkorreliert”. Heute, wo institutionelle Investoren stark involviert sind, läuft Bitcoin oft gleich mit dem Nasdaq, vor allem bei Tech-Korrekturen. Die Korrelation ist deutlich gestiegen.

Korrelation in DACH-Märkten

SMI, DAX, ATX: Diese drei europäischen Indizes haben eine hohe Korrelation untereinander, typischerweise 0,7-0,9. Wer SMI, DAX und ATX kombiniert, hat zwar “drei Länder”, aber wenig echte Diversifikation.

SMI vs S&P 500: Auch hier Korrelation um 0,6-0,8, vor allem weil viele Schweizer Werte (Nestlé, Roche, Novartis) globale Konzerne sind, deren Aktien stark vom globalen Sentiment abhängen.

SMI vs Schwellenländer (z.B. MSCI EM): Niedrigere Korrelation, oft 0,4-0,6, hier gibt es echte Diversifikation. Aber: In globalen Crashs gehen auch Schwellenländer mit runter.

Das Konzept “Korrelation in Crashs”

Hier wird’s ironisch: In Crash-Phasen (also genau dann, wenn du Diversifikation brauchst), steigen die Korrelationen oft schlagartig. Was vorher unabhängig schien, fällt plötzlich gemeinsam. Das nennt sich “Diversification breakdown during crashes” und ist ein gut dokumentiertes Phänomen.

Die Lektion: Niedrige Korrelationen in ruhigen Zeiten sind keine Garantie für Diversifikation in Krisen.

Beta vs Korrelation

Verwandt, aber nicht identisch: Das Beta misst, wie stark eine Aktie auf Marktbewegungen reagiert:

  • Beta = 1: Aktie bewegt sich genau wie der Markt
  • Beta > 1: Aktie schwankt stärker als der Markt (z.B. Tech-Aktien oft 1,3-1,5)
  • Beta < 1: Aktie schwankt weniger (z.B. Versorger und Konsumgüter oft 0,5-0,8)
  • Beta = 0: Aktie ist unabhängig vom Marktverlauf
  • Beta < 0: Aktie bewegt sich entgegen dem Markt (sehr selten)

Beta und Korrelation hängen mathematisch zusammen, sind aber nicht dasselbe. Beta sagt etwas über die Stärke der Marktabhängigkeit, Korrelation über die Richtung des Zusammenhangs.

Wie diversifiziert man wirklich?

1. Verschiedene Asset-Klassen kombinieren:

  • Aktien
  • Anleihen (Staat und Unternehmen)
  • Rohstoffe (Gold, Öl)
  • Immobilien (REITs oder direkt)
  • Cash

2. Innerhalb der Aktien diversifizieren:

  • Verschiedene Branchen (nicht nur Tech!)
  • Verschiedene Regionen (USA, Europa, Asien, Schwellenländer)
  • Verschiedene Marktkapitalisierungen (Large, Mid, Small)

3. Alternative Anlagen (für Fortgeschrittene):

  • Hedge Funds
  • Private Equity
  • Sammlerwerte

4. Faktor-Diversifikation:

  • Value-Aktien (KGV-niedrig, oft etablierte Werte)
  • Growth-Aktien (Wachstumsunternehmen)
  • Momentum (Aktien mit starkem Trend)
  • Quality (hohe Margen, stabile Bilanzen)

Praxisbeispiel: Ein gut diversifiziertes Portfolio

So könnte ein realistisches Portfolio für einen Schweizer Privatanleger aussehen:

PositionAnteil
MSCI World ETF (globale Aktien)50%
MSCI Emerging Markets ETF15%
Schweizer SMI/SPI ETF10%
Globale Staatsanleihen ETF15%
Gold ETF5%
Cash5%

Hier hast du:

  • Globale Aktien-Diversifikation
  • Schwellenländer als Ergänzung
  • Heimatmarktanteil (vor allem für CHF-Bezug der Ausgaben)
  • Anleihen als (oft) negativ korrelierte Position
  • Gold als Krisenversicherung
  • Cash für Opportunities und Liquidität

Was bringt mehr Aktien?

Statistische Studien zeigen: Schon mit 15-20 verschiedenen Aktien aus unterschiedlichen Branchen erreichst du den grössten Teil des Diversifikationsvorteils. Ab 30 Aktien wird der zusätzliche Effekt klein. ETFs mit Hunderten oder Tausenden Aktien (z.B. MSCI World mit ca. 1.500 Aktien) maximieren die Diversifikation, auch wenn Vodafone und Apple natürlich noch Korrelationen haben.

Steuerliche Aspekte (DACH)

Schweiz: Diversifikation hat keine direkten Steuerimplikationen. Aber: Wer aus Diversifikationsgründen ständig umschichtet, kann in die gewerbsmässige Trader-Zone abrutschen.

Deutschland: Sparerpauschbetrag 2026: 1.000 EUR / 2.000 EUR pro Jahr. Wer breit diversifiziert investiert, kann den Pauschbetrag auf mehrere Depots/Broker aufteilen, das maximiert die Steuerfreiheit.

Österreich: Bei steuereinfachen Brokern gibt es im Inland Verlustverrechnung über alle Wertpapiere, sehr praktisch. Bei mehreren Depots oder ausländischen Brokern musst du selbst verrechnen.

Mythos: “Mehr Cash = weniger Risiko”

Cash hat Korrelation 0 zu allen Märkten, schützt also vor Volatilität. Aber: Cash verliert real Wert durch Inflation. Wer 30% Cash hält und 30 Jahre Anlagehorizont hat, hat ein anderes Problem als Volatilität: Kaufkraftverlust. Echte Diversifikation bedeutet auch, Inflationsrisiko gegen Volatilitätsrisiko abzuwägen.

Fazit

Korrelation ist das versteckte Konzept hinter Diversifikation. Wer nur Aktien aus einer Region oder Branche hat, ist nicht diversifiziert, auch wenn er 100 davon hält. Echte Diversifikation entsteht erst durch die Kombination unkorrelierter Asset-Klassen. Und ein wichtiger Realismus-Check: In Crashs gehen Korrelationen oft Richtung 1. Wer eine echte Allwetter-Strategie sucht, muss über Aktien hinausdenken, Anleihen, Gold, Cash und ggf. Alternativen gehören in jedes ausgewogene Portfolio.