Fed bremst Zinshoffnungen, SNB pausiert: Märkte in KW25
Fed hebt PCE-Prognose auf 3,6 % an und dämpft Zinssenkungserwartungen. SNB belässt Leitzins bei 0 %. SMI stabil, Gold unter Druck.
Die Börsenwoche KW25 stand ganz im Zeichen der Notenbanken: Am 17. Juni hielt die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Tags darauf zog die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach und beliess den Schweizer Leitzins bei 0 Prozent. Das Ergebnis: Aktienmärkte bewegten sich seitwärts bis leicht positiv, der US-Dollar gewann an Stärke — und Gold verlor zum dritten Mal in Folge.
Fed: Hawkisher Kurs unter neuem Vorsitzenden
Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh leitete seinen ersten Zinsentscheid einstimmig — zwölf zu null. Die Botschaft war klar: Zinssenkungen stehen kurzfristig nicht auf der Agenda. In den aktualisierten Wirtschaftsprojektionen hob die Fed ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 deutlich von 2,7 auf 3,6 Prozent an, die Kern-PCE-Prognose auf 3,3 Prozent.
Der Dot Plot signalisiert, dass die Mehrheit der FOMC-Mitglieder keinen Spielraum für Zinssenkungen in absehbarer Zeit sieht. Der US-Dollar legte nach dem Entscheid zu — ein Signal, das sich auf Rohstoffpreise und internationale Portfolios auswirkt. Schweizer Anleger mit grossen US-Positionen profitieren von einem starken Dollar, wenn sie in CHF zurückrechnen; gleichzeitig steigt das Währungsrisiko bei einer allfälligen Dollarabschwächung.
SNB hält bei null — Franken mit leichter Abschwächung
Keine Überraschung aus Bern: Der SNB-Leitzins bleibt bei 0 Prozent. Die Schweizer Inflation lag zum Zeitpunkt des Entscheids bei 0,6 Prozent — deutlich unter jenen der meisten anderen Volkswirtschaften und klar innerhalb des SNB-Zielbands von 0 bis 2 Prozent.
Bemerkenswert ist eine sprachliche Nuance: Die SNB hält zwar an ihrer «erhöhten Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren» fest, ergänzte diese Formulierung aber mit dem Zusatz «bei Bedarf». Hintergrund: Der Franken hat sich seit der letzten Lagebeurteilung im März etwas abgeschwächt. Die EUR/CHF-Parität notierte in der Berichtswoche um 0.922 — der Aufwertungsdruck ist damit vorerst gebremst, der Franken bleibt aber im historischen Vergleich stark.
Für Anleger, die regelmässig über einen ETF-Sparplan in Fremdwährungen investieren, bedeutet ein leicht schwächerer Franken etwas weniger Gegenwind beim Währungseffekt.
Aktienmärkte: Leichte Gewinne, aber selektives Bild
Die Aktienmärkte zeigten sich in KW25 gespalten. An der Wall Street erholte sich der Technologiesektor nach schwächeren Vorwochen; der S&P 500 schloss leicht im Plus und handelte um die 7’500-Punkte-Marke. Allein am Montag (16. Juni) erreichten 157 Titel neue Hochs, darunter 28 S&P-500-Komponenten. Dennoch blieb die Kaufbereitschaft begrenzt: Anleger nutzen Gewinne im überhitzten Halbleitersektor für Gewinnmitnahmen und hielten Liquidität vor.
Der SMI präsentierte sich stabil. Lonza, Alcon und Givaudan gehörten zu den auffälligsten positiven Bewegungen; Amrize und Idorsia gaben nach. Der grosse Hexensabbat am Freitag (19. Juni) — der quartalsweise Verfall von Futures und Optionen — sorgte für erhöhte Volatilität rund um die Ablaufpreise, beruhigte sich zum Wochenschluss aber wieder.
Gold verliert, Bitcoin erholt sich
Edelmetalle standen deutlich unter Druck. Gold notierte am 21. Juni bei rund 4’157 US-Dollar pro Unze — nach einem Monatsdurchschnitt von rund 4’526 Dollar im Mai. Es war die dritte Verlustwoche in Folge. Treiber sind der erstarkende Dollar und die Erwartung, dass die Fed den restriktiven Kurs fortsetzt. Einige Analysten sehen das Edelmetall mittelfristig auf dem Weg Richtung 4’000 Dollar, sollte sich das Zinsumfeld nicht entspannen.
Ein anderes Bild zeigte Bitcoin: Die Kryptowährung stabilisierte sich und erholte sich auf über 65’000 US-Dollar — nach Tiefs in der Vorwoche. Technische Indikatoren wie RSI und MACD zeigten in der Berichtswoche bullische Signale, das übergeordnete Chartbild bleibt aber nach Einschätzung mehrerer Analysten angespannt. Für Schweizer Anleger, die an regulierten Produkten interessiert sind, bietet der Vergleich Bitcoin-ETF vs. direktes Bitcoin eine nützliche Entscheidungshilfe.
Ausblick KW26: ifo und PCE-Daten im Fokus
Die kommende Woche bringt wichtige Datenpunkte:
- Dienstag, 24. Juni: Ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland — das wichtigste Barometer für die wirtschaftliche Stimmung in der Eurozone.
- Ende Juni: US-PCE-Inflationsdaten — der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator. Da die Notenbank ihre Prognose zuletzt deutlich angehoben hat, könnten hohe Werte Zinssenkungsspekulationen weiter nach hinten verschieben und die Märkte belasten.
- 30. Juni: Deutsche Inflationsrate, die Hinweise auf den weiteren EZB-Kurs liefert.
Anleger, die ihr Portfolio regelmässig rebalancieren, sind besser positioniert, um Schwankungen durch solche Datenpunkte zu absorbieren, als jene, die kurzfristig auf jeden Datenpunkt reagieren. Rekordstände allein sind kein Kauf- oder Verkaufssignal — das gilt nach wie vor.
Quellen: LBBW, xtb.com, goldreporter.de, wallstreet-online.de, bitcoin-2go.de
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