Nasdaq gibt 4,6 Prozent ab — SMI trotzt der Tech-Welle: KW26
Fünf Verlusttage in Folge für den Nasdaq, SMI über 14'000 Punkten. Einordnung der Divergenz für Schweizer Anleger.
Die Börsenwoche KW26 schrieb eine Geschichte der Gegensätze: Während der technologielastige Nasdaq-Index fünf Sitzungen in Folge verlor und auf Wochensicht rund 4,6 Prozent abgab, hielt der Schweizer Leitindex SMI über der Marke von 14’000 Punkten und schloss mit einem Plus von gut zwei Prozent. Eine Aufspaltung, die für Anleger mehr bedeutet als ein statistischer Zufall.
Nasdaq in der Korrektur: OpenAI-IPO und Chipaktien unter Druck
Auslöser für die Schwäche bei Technologietiteln war ein Bericht der New York Times, wonach OpenAI erwägt, den geplanten Börsengang auf nächstes Jahr zu verschieben — als Reaktion auf den enttäuschenden Verlauf des SpaceX-Debüts und die anhaltende Volatilität bei KI-nahen Titeln. Das sorgte für Ernüchterung: Anleger rotierten aus Halbleitern und Plattformtiteln heraus in defensivere Marktsegmente.
Der S&P 500 verlor auf Wochensicht knapp zwei Prozent und schloss bei rund 7’354 Punkten. Der Dow Jones Industrial Average hielt sich besser und legte leicht zu — ein klares Zeichen für die Sektorrotation weg von Wachstum hin zu traditionellen Branchen wie Industrie und Gesundheit. Der VIX — der Angstindex des S&P 500 — blieb erhöht.
Dazu kommt der nachlassende Rückenwind durch Zinshoffnungen: Die Fed signalisierte am 17. Juni unter neuem Vorsitzenden Kevin Warsh, dass der Medianpolitiker der FOMC bis Ende 2026 eher mit einer Zinserhöhung als mit einer Senkung rechnet — ein markanter Schwenk gegenüber den März-Projektionen.
SMI trotzt der globalen Tech-Welle
Der Swiss Market Index zeigte sich von der Nasdaq-Schwäche weitgehend unbeeindruckt. Mit einem Wochenplus von gut 2,15 Prozent auf rund 14’066 Punkte bewies er seine defensiven Qualitäten: Die Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis sind konjunkturell weniger anfällig als Halbleiterkonzerne, und ihr Kerngeschäft hängt nicht am KI-Hype.
Für Schweizer Anleger mit gemischten Portfolios ist das ein konkretes Beispiel dafür, weshalb geografische und sektorale Diversifikation kein theoretisches Konzept ist. Wer durch die US-Tech-Rally der vergangenen Monate ein stark übergewichtetes Portfolio aufgebaut hat, spürte diese Woche die Konsequenz. Regelmässiges Rebalancing zurück zur Zielgewichtung diszipliniert genau gegen solche Klumpenrisiken.
Währungen: Franken fest, Dollar unter Druck
Beim Blick auf die Währungen fiel auf, dass der US-Dollar trotz hawkischem Fed-Kurs in KW26 eher schwächelte. Der USD/CHF-Kurs lag zuletzt bei rund 0.8078 — der Markt preist zwar das Szenario einer Zinserhöhung ein, hält sich aber bedeckt. Der EUR/CHF notierte bei rund 0.9260.
Die SNB beliess ihren Leitzins am 19. Juni erneut bei 0 Prozent. Die Schweizer Inflation liegt bei 0,6 Prozent — komfortabel innerhalb des Zielbands — und die Nationalbank hat ihr Devisenmarkt-Interventionssignal leicht abgeschwächt. Vorerst kein Handlungsbedarf.
Gold findet Boden, Bitcoin mit schwachem Monat
Gold fand nach den Verlusten der Vorwochen in KW26 eine Basis. Nach einem Wochentief von rund 4’015 US-Dollar pro Unze erholte sich das Edelmetall auf rund 4’090 Dollar. Unterstützung kam von den US-PCE-Inflationsdaten, die in Linie mit den Erwartungen ausfielen und extreme Zinserhöhungsspekulationen etwas dämpften. Dennoch bleibt Gold klar unter den Hochs des Frühjahrs.
Bitcoin hatte einen schwierigen Juni. Die Kryptowährung handelte Ende der Woche bei rund 60’000 US-Dollar — das entspricht einem Rückgang von über 18 Prozent gegenüber dem Monatshoch von knapp 74’000 Dollar. Stärkerer Dollar, erhöhte Risikoaversion und technische Unterstützungsbereiche, die teils nicht hielten, belasteten die Kryptowährung. Wer Bitcoin per Dollar-Cost-Averaging regelmässig anspart, mindert solche Timing-Risiken systematisch.
Ausblick KW27: US-Jobmarkt im Fokus
Der erste wichtige Datenpunkt der neuen Woche kommt am Freitag, 3. Juli: Die US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) für Juni. Ein robuster Arbeitsmarkt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihren restriktiven Kurs beibehält oder verschärft. Schwächere Zahlen könnten dagegen kurzfristig für Erleichterung bei Technologietiteln sorgen. Anleger sollten sich auf volatile Handelstage einstellen — besonders weil der 4. Juli (US-Feiertag) den Wochenrhythmus verkürzt.
Wer langfristig orientiert investiert und dessen Portfolio durch die Tech-Rally aus dem Gleichgewicht geraten ist, nutzt solche Wochen sinnvoller zur Überprüfung der Gewichtung als zur hektischen Reaktion auf einzelne Datenpunkte. Rekordstände allein sind kein Kauf- oder Verkaufssignal — das gilt nach wie vor.
Quellen: CNBC, MarketScreener/SMI, LBBW SNB, 150currency.com Gold, finews.ch SNB
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