Die Börsenwoche KW27 stand im Zeichen eines überraschenden Gegensatzes: Während der Schweizer Leitindex SMI auf ein neues Jahreshoch kletterte und der Dow Jones ein Allzeithoch verzeichnete, sendete der US-Arbeitsmarkt ein deutliches Warnsignal. Die Woche lieferte damit Material für alle, die verstehen wollen, wie Makrodaten und Marktbewegungen zusammenhängen.

SMI auf Jahreshöchststand

Der Swiss Market Index schloss am Donnerstag, 3. Juli, bei 14’424 Punkten — ein Plus von rund 2,88 Prozent gegenüber dem Vorwochenschluss. Das ist der höchste Stand des laufenden Jahres und setzt die in KW26 begonnene Erholung fort, als der SMI bereits seine defensiven Qualitäten gegenüber dem schwächelnden Nasdaq bewiesen hatte.

Die drei grossen SMI-Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis profitieren von ihrer konjunkturellen Robustheit: Ihr Kerngeschäft ist weniger zinsabhängig als Technologietitel und bietet Stabilität in einem Umfeld, in dem die Zinspolitik der Notenbanken ungeklärt bleibt. Der Jahresgewinn des SMI summiert sich damit auf rund 17,75 Prozent — eine beachtliche Leistung für einen defensiv ausgerichteten Index.

US-Börsen mit kurzem Paukenschlag

In den USA war die Handelswoche auf vier Tage verkürzt: Der 4. Juli (Independence Day) liess die Wall Street ruhen. Dennoch gewann der S&P 500 auf Wochensicht rund 1,8 Prozent, der Nasdaq legte 2,1 Prozent zu. Besonderen Glanz hatte der Dow Jones Industrial Average, der am 2. Juli ein neues Allzeithoch erreichte.

Das Ereignis der Woche war jedoch der US-Arbeitsmarktbericht für Juni: Die Wirtschaft schuf nur 57’000 neue Stellen — deutlich weniger als die erwarteten 115’000 und weit unter dem nach unten revidierten Vormonatswert von 129’000. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,2 Prozent. Besonders auffällig war der Einbruch im Freizeit- und Gastgewerbesektor mit minus 61’000 Stellen. Die Märkte reagierten verhalten positiv, weil schwache Jobdaten Zinssenkungserwartungen neu befeuern.

Fed und SNB: Zinsen stabil, Erwartungen im Wandel

Die US-Notenbank Federal Reserve hält den Leitzins seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh hatte bei der Sitzung vom 17. Juni einen eher restriktiven Kurs signalisiert — doch die schwachen Jobdaten dürften die Diskussion beim nächsten FOMC-Treffen am 28. und 29. Juli neu ausrichten. Märkte beobachten nun genau, ob Warsh seinen Kurs anpasst.

In der Schweiz bleibt die Lage stabil: Die SNB hält den Leitzins nach ihrer Entscheidung vom 19. Juni weiterhin bei 0,0 Prozent. Die Schweizer Inflation liegt bei 0,6 Prozent — komfortabel im Zielband. Handlungsbedarf besteht vorerst keiner, was dem Franken in seiner Funktion als sicherer Hafen Auftrieb gibt.

Währungen: Franken fest, Dollar unter Druck

Der US-Dollar geriet nach den enttäuschenden Jobdaten unter Druck. Der USD/CHF-Kurs lag zuletzt bei rund 0,8093 — nach einem Jahrestief von 0,8123 in der Vorwoche zeigt der Franken Stärke zurück. Der EUR/CHF-Kurs notierte bei rund 0,9234, nahe dem unteren Ende seiner jüngsten Handelsspanne.

Ein starker Franken ist ein zweischneidiges Schwert: Er hält Importpreise und damit die Schweizer Inflation niedrig, belastet aber exportorientierte SMI-Konzerne. SNB-Präsident Martin Schlegel hat zuletzt signalisiert, dass Devisenmarkt-Interventionen weiterhin möglich sind, sollte die Aufwertung zu stark ausfallen.

Gold erholt sich — Bitcoin stabilisiert sich

Gold schloss die Woche auf Erholungskurs. Nach vier aufeinanderfolgenden Verlustwochen stieg der Spotpreis auf rund 4’174 US-Dollar pro Unze. Schwache US-Beschäftigungsdaten dämpfen Inflationserwartungen und machen verzinsliche Alternativen kurzfristig weniger attraktiv — beides hilft dem Edelmetall. Für Schweizer Anleger bleibt Gold ein Baustein in der Portfoliodiversifikation.

Bitcoin zeigte ebenfalls Erholung: Die Kryptowährung stieg auf rund 63’000 US-Dollar und legte auf Wochensicht rund 4,9 Prozent zu — nach einem schwachen Juni mit Verlusten von rund 20 Prozent. Grosse Investoren kauften in den vergangenen zwei Wochen über 270’000 BTC, und US-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 2. Juli die höchsten Zuflüsse seit zwei Monaten. Wer die Volatilität des Kryptomarkts strukturiert angehen möchte, findet im Vergleich Bitcoin-ETF vs. direktes Investment eine nützliche Orientierung.

Ausblick KW28: US-Inflation und Quartalszahlen

In der kommenden Woche stehen US-Inflationsdaten (CPI) im Mittelpunkt — als direkter Gradmesser dafür, ob die Fed bei ihrer Julisitzung nachgeben wird. Zusätzlich beginnt die US-Berichtssaison für das zweite Quartal, mit ersten Ergebnissen grosser Banken und Industriekonzerne. Für Anleger, die Marktschwankungen systematisch abfedern wollen, bleibt ein regelmässiger ETF-Sparplan das bewährteste Mittel. Schwache Jobdaten allein sind kein Anlass zur Panik — sie verschieben lediglich das Umfeld, in dem Notenbanken entscheiden. Rekordstände beim Dow sind kein Kaufsignal, und enttäuschende Payrolls sind kein Verkaufssignal.

Quellen: CNBC Jobs Report, TheStreet Marktbericht, MarketScreener SMI, WallstreetONLINE Bitcoin, Morningstar Payrolls


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