Die Börsenwoche KW32 (4. bis 8. August 2026) hielt eine Überraschung bereit: Der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag verfehlte die Erwartungen deutlich — und die Märkte feierten es. Gleichzeitig beruhigten sich die Ölpreise unter die Marke von 80 Dollar, gestützt durch Entspannungssignale rund um die Strasse von Hormuz. Der SMI legte in diesem Umfeld 1,7 Prozent zu. Eine Woche, die das Bild für die zweite Jahreshälfte prägen könnte.

SMI: Gesundheitssektor führt, Wochengewinn von 1,7 Prozent

Der Swiss Market Index schloss die Woche mit einem Plus von 1,7 Prozent. Der Gesundheitssektor — traditionell ein Schwergewicht im SMI — führte die Bewegung an und legte rund 2,4 Prozent zu. Das unterstreicht, was Anleger bereits aus der Vorwoche kennen: Defensive Werte mit globalem Geschäft stabilisieren den Index in Phasen makroökonomischer Unsicherheit.

Nestlé, Novartis und Roche machen zusammen mehr als die Hälfte des SMI-Gewichts aus — in einer Woche, in der Fed-Erwartungen und Nahost-Signale das Geschehen bestimmten, war das eine Stärke. Der Franken blieb gegenüber Euro und Dollar weitgehend stabil; EUR/CHF notierte weiterhin rund um 0.9300, USD/CHF um 0.809.

Wall Street: Neue Rekorde dank schlechtem Jobsbericht

Der S&P 500 markierte in KW32 neue Allzeithochs. Am Dienstag, 4. August, stieg der Index um 1,79 Prozent auf 7’737 Punkte; der Dow Jones überschritt erstmals in seiner Geschichte die Marke von 54’000 Punkten; der Nasdaq gewann 2,59 Prozent. Am Freitag nach Bekanntgabe des Jobsberichts setzte der S&P 500 seinen Lauf fort und schloss bei 7’758 Punkten — erneut ein Rekordschluss.

Das klingt paradox. Denn der eigentliche Auslöser war schlechte Wirtschaftsnachricht: Die Nonfarm Payrolls für Juli 2026 kamen mit minus 23’000 herein — Ökonomen hatten ein Plus von 95’000 Stellen erwartet. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent, weil die Erwerbsbeteiligung zurückging, nicht weil mehr Menschen Arbeit fanden. Das Lohnwachstum verlangsamte sich auf 3,2 Prozent im Jahresvergleich.

Das sogenannte Bad-News-is-Good-News-Muster ist ein klassisches Marktphänomen: Schwache Wirtschaftsdaten erhöhen den Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen zu senken — was Risikoaktiva kurzfristig attraktiver macht. Das CME FedWatch Tool signalisierte nach dem Bericht eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im September 2026. Vor dem Bericht war noch von einem möglichen Zinsanstieg die Rede.

Solche Marktreaktionen können Volatilität auslösen, die sich im Nachhinein als kurzlebig erweist. Ob die September-Senkung tatsächlich kommt, hängt massgeblich von den Inflationsdaten der nächsten Wochen ab.

Öl unter 80 Dollar: Hormuz-Entspannung entlastet

Die geopolitisch bedeutsamste Entwicklung spielte sich ausserhalb der Börsensäle ab. Meldungen über indirekte Gespräche zwischen den USA und Iran sowie erste Entwürfe für eine vorläufige Öffnung der Strasse von Hormuz liessen den Ölpreis deutlich nachgeben. Brent-Rohöl fiel am Montag, 4. August, unter 80 Dollar pro Barrel und notierte am Mittwoch bei rund 79.45 Dollar.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zur ersten Jahreshälfte, in der Brent über 100 Dollar stand. Ein tieferer Ölpreis entlastet die Inflation direkt — in der Schweiz wie in Europa. Ob die Einigung hält und die Route dauerhaft wieder befahrbar wird, ist noch offen. Aber allein die Aussicht auf Entspannung reichte in dieser Woche aus, um die Marktstimmung zu heben.

Gold und Währungen

Gold notierte am Freitag bei rund 4’350 Dollar pro Unze — ein weiterer Anstieg. Das erklärt sich mit den gestiegenen Zinssenkungserwartungen: Tiefere US-Zinsen verringern die Opportunitätskosten für zinsloses Gold. Als Portfoliobeimischung hat das Edelmetall in diesem Jahr eine stabilisierende Rolle gespielt. Der Franken blieb gegenüber den Hauptwährungen weitgehend stabil.

Bitcoin: Rund 64’700 Dollar, saisonale Schwäche hält an

Bitcoin schloss die Woche bei rund 64’700 Dollar — ein leichtes Plus gegenüber der Vorwoche, aber weit unter dem Jahreshoch von rund 126’000 Dollar. Der August gilt historisch als schwacher Monat für Kryptowährungen; die Stimmung bleibt verhalten. Bitcoin-ETF-Investoren in der Schweiz können die Entwicklung beobachten, ohne das direkte Custody-Risiko tragen zu müssen.

Ausblick KW33: US-Inflationsdaten am Mittwoch im Fokus

Das wichtigste Datum der laufenden Woche ist der US-Inflationsbericht (CPI) für Juli 2026 am Mittwoch, 12. August, um 14:30 Uhr Schweizer Zeit. Nach dem schwachen Jobsbericht liest der Markt diese Zahl noch aufmerksamer als üblich.

Sinkt die Inflation stärker als erwartet, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September. Bleibt sie hartnäckig — möglicherweise bedingt durch die Nachwirkungen des Ölpreisschocks aus dem ersten Halbjahr — könnte die Fed zögern. Hinzu kommen die Erzeugerpreise (PPI) und erste Konsumstimmungsdaten der Universität Michigan.

Wer per Sparplan investiert, muss auch diese Veröffentlichungen nicht aktiv timen. Für alle anderen gilt: Der Mittwoch dürfte an den Devisen- und Anleihemärkten Bewegung bringen, und die Reaktion an den Aktienmärkten lässt erfahrungsgemäss nicht lange auf sich warten.

Quellen: Bloomberg – US Employers Shed Jobs, CNBC – Aktien 4. August, Washington Post – Märkte 7. August, CNBC – September-Zinssenkung, Yahoo Finance – Ölpreise August, Yahoo Finance – Gold 7. August


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