SMI unter Druck, Nasdaq im Plus: Marktkommentar KW28 2026
Nahost-Spannungen schickten den SMI Mitte der Woche auf Talfahrt. US-Technologiewerte stabilisierten die globale Lage.
Die Börsenwoche KW28 stand im Zeichen von Geopolitik. Anhaltende Spannungen zwischen den USA und dem Iran drängten den Swiss Market Index am Mittwoch auf Talfahrt, während die Wall Street trotz zwischenzeitlicher Turbulenz zum Wochenende hin im Plus schloss. Gold gab nach, Bitcoin hielt sich stabil — und die Fed-Sitzung Ende Juli rückt als nächster Schlüsseltermin ins Blickfeld.
SMI: Einbruch in der Wochenmitte, Erholung zum Schluss
Der Swiss Market Index erlebte in KW28 eine unruhige Woche. Am Mittwoch schickten erneut aufflammende Spannungen im Nahen Osten den Index um rund 186 Punkte nach unten — Anleger flohen in sichere Häfen, was den Verkaufsdruck bei zyklischen Werten verstärkte. Zum Wochenschluss zeigte sich das Bild freundlicher: Am Freitag notierte der SMI wieder etwas höher und holte einen Teil der Verluste zurück.
Der SMI hatte in der starken Vorwoche KW27 ein Jahreshoch bei 14’424 Punkten markiert. Eine Konsolidierung nach einem ausgeprägten Anstieg gehört zur normalen Marktdynamik. Die defensive Ausrichtung des Index mit den Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis federt Rücksetzer strukturell ab — doch auch sie bleiben nicht immun gegen starke geopolitische Impulse.
US-Märkte: Technologie als Stütze
Die Wall Street präsentierte sich widerstandsfähiger als der Schweizer Markt. Der S&P 500 legte auf Wochensicht rund 1,2 Prozent zu und schloss nahe der Marke von 7’575 Punkten. Der Nasdaq Composite gewann rund 1,7 Prozent. Treiber der Erholung waren vor allem Technologiewerte und KI-nahe Aktien, die nach den Rücksetzern der Vorwoche eine Gegenbewegung vollzogen.
Auf Sektorebene führte Informationstechnologie die Gewinnerliste im S&P 500 an. Energie- und Kommunikationsdienstleister folgten, während Gesundheits- und Grundstoffwerte die schwächsten Ergebnisse lieferten. Dem Markt halfen zudem Hinweise auf Fortschritte bei den US-Iran-Friedensgesprächen, auch wenn deren Ausgang offen bleibt. Solange die Lage ungeklärt ist, bleibt Geopolitik ein bedeutender Volatilitätsfaktor.
Fed und SNB: Stabilität vor dem Juli-Termin
Die US-Notenbank hält den Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die nächste FOMC-Sitzung am 28. und 29. Juli ist der wichtigste Termin der kommenden zwei Wochen: Die Märkte rechnen derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 78 Prozent, dass die Fed die Zinsen erneut unverändert lässt. Wie sich schwache US-Jobdaten aus dem Juni und die geopolitische Lage auf die Entscheidung auswirken, wird das dominierende Thema der Folgewochen bleiben.
In der Schweiz bleibt die Lage stabil: Die SNB hält den Leitzins bei 0,0 Prozent. Die Schweizer Inflation bewegt sich komfortabel im Zielband, Handlungsbedarf besteht derzeit keiner. Der Franken zeigte sich stark — der USD/CHF-Kurs notierte zuletzt bei rund 0,81, der EUR/CHF-Kurs bewegte sich im Bereich um 0,92. Ein starker Franken hält Importpreise und damit die heimische Inflation niedrig, belastet aber exportorientierte SMI-Konzerne.
Gold: Rücksetzer nach starker Vorwoche
Gold startete die Woche bei rund 4’200 US-Dollar pro Unze, gab dann im Wochenverlauf nach und notierte am Freitag bei rund 4’070 Dollar. Zum Wochenschluss stabilisierte sich das Edelmetall wieder knapp über der Marke von 4’100 Dollar, als Anleger die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten neu beurteilten.
Im grossen Bild liegt Gold noch immer deutlich unter dem Rekordhoch von rund 5’600 Dollar, das im Januar 2026 erreicht wurde. Die damalige Spitze wurde von extremen Risikoängsten und Inflationssorgen getrieben. Die aktuelle Stabilisierung um 4’000 bis 4’200 Dollar reflektiert ein verändertes Umfeld: weniger Panik, aber weiterhin erhöhte Unsicherheit. Für die langfristige Portfoliorolle von Gold hat sich dadurch nichts Grundsätzliches verändert.
Bitcoin: Erholung mit gedämpfter Stimmung
Bitcoin notierte in KW28 bei rund 63’000 US-Dollar — auf dem Niveau, auf dem die Kryptowährung die Vorwoche abgeschlossen hatte. Nachdem BTC Anfang Juli zeitweise auf rund 58’000 Dollar gefallen war, den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren, zeigt die Kryptowährung relative Stärke.
Die Stimmung bleibt gedämpft: Der Fear-and-Greed-Index für den Kryptomarkt steht bei 22 und signalisiert «extreme Angst». Gleichzeitig akkumulieren institutionelle Investoren grosse BTC-Mengen. Das Auseinanderdriften von Sentiment und Käuferverhalten ist ein bekanntes Muster in Bodenbildungsphasen — aber kein verlässlicher Kaufzeitpunkt. Wer Kryptogewinne in der Schweiz korrekt versteuern möchte, findet in unserem Leitfaden zur Kryptobesteuerung die relevanten Grundlagen.
Ausblick: Fed-Sitzung als Wegweiser
In den nächsten zwei Wochen dominiert die Fed-Sitzung vom 28. und 29. Juli das Geschehen. Entscheidend wird sein, wie Fed-Chef Kevin Warsh auf schwache Arbeitsmarktdaten und anhaltende geopolitische Belastungen reagiert — und ob die Notenbank den Leitzins erstmals seit Herbst 2025 senken wird oder nicht.
Daneben läuft die US-Berichtssaison mit weiteren Quartalszahlen. Für Schweizer Anleger mit diversifizierten Portfolios gilt: Kurzfristige Schwankungen durch geopolitische Schlagzeilen gehören dazu. Sie fordern ein klares Risikomanagement — und bieten für langfristig denkende Anleger gelegentlich auch Einstiegsgelegenheiten.
Quellen: CNBC Marktbericht KW28, finanzen.ch SMI KW28, LBBW Fed-Zinsentscheid, wallstreet-online Bitcoin
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