KI-Chips unter Druck, Gold schwächer: Marktkommentar KW29 2026
Bedenken zu AI-Ausgaben und Geopolitik belasteten Technologiewerte und Gold. SMI verlor auf Wochensicht, der Fed-Entscheid Ende Juli rückt in den Fokus.
Die Börsenwoche KW29 stand im Zeichen zweier Themen: anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten und wachsende Skepsis gegenüber den Ausgabeplänen der grossen KI-Infrastrukturbetreiber. Beides zusammen setzte Technologieaktien, Gold und in der Folge auch den SMI unter Druck — und rückte den FOMC-Entscheid Ende Juli ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
SMI: Konsolidierung nach starker Vorwoche
Der Swiss Market Index gab in KW29 rund 1,1 Prozent nach. Am Donnerstag notierte der Index bei 14’344 Punkten — damit liegt er etwas unterhalb des Jahreshochs, das in der Vorwoche KW28 markiert worden war. Eine Konsolidierung nach dem deutlichen Anstieg der vergangenen Wochen ist keine Überraschung und gehört zur normalen Marktdynamik.
Die defensiven Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, die zusammen mehr als die Hälfte des SMI-Gewichts ausmachen, pufferten die Verluste teilweise ab. Trotzdem blieb auch der Schweizer Leitindex nicht unberührt vom globalen Gegenwind aus Geopolitik und Technologiesektor.
Wall Street: KI-Chips auf Talfahrt
Die stärkste Bewegung der Woche kam aus dem US-Technologiesektor. Am Freitag verlor der S&P 500 rund 1 Prozent, der Nasdaq Composite gab knapp 1,5 Prozent nach — die erste Verlustwoche nach zwei Gewinnwochen in Folge. Auslöser war ein breiter Abverkauf bei Halbleiterwerten: Sorgen, dass grosse KI-Hyperscaler ihre Infrastrukturinvestitionen zurückschrauben könnten, setzten die Chipbranche unter Druck.
Nvidia büsste rund 2,2 Prozent ein, Broadcom verlor 1 Prozent, AMD und Intel gaben je rund 1 bis 2 Prozent nach. Die Logik dahinter: Wer weniger in Rechenzentren und Grafikprozessoren investiert, braucht auch weniger Chips. Die Befürchtung, dass die KI-Investitionswelle ihren Höhepunkt überschritten haben könnte, ist nicht neu — aber sie gewinnt an Gewicht, solange konkrete Renditebeweise ausstehen.
Öl und Iran: Der makroökonomische Hintergrund
Im Hintergrund wirken die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Berichte über Angriffe auf Handelsschiffe im Persischen Golf und der Widerruf von Sanktionsausnahmen auf iranisches Öl trieben den Brent-Preis in der Wochenmitte auf rund 76,50 Dollar pro Barrel. Die höheren Energiepreise heizen die Inflationssorgen an und verkomplizieren die Arbeit der Notenbanken.
Für die Schweiz spielt das indirekt eine Rolle: Als Importland reagiert die heimische Wirtschaft auf dauerhaft höhere Energiekosten mit verzögerter Preiswirkung — und auch die EU als wichtigster Handelspartner der Schweiz leidet unter den Konjunkturfolgen. Positiv: Der Franken profitierte als sicherer Hafen. USD/CHF notierte am Donnerstag bei 0,8076, EUR/CHF bewegte sich weiterhin um die Marke von 0,927.
Fed und SNB: Geldpolitik vor dem Schlüsseltermin
Die grosse Unbekannte ist die FOMC-Sitzung vom 28. und 29. Juli 2026. Laut CME FedWatch lag die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte zum Wochenschluss bei rund 46,5 Prozent — der Entscheid gilt damit als wirklich offen. Der aktuelle US-Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Schwächere Arbeitsmarktdaten hatten zuvor die Erwartungen einer Erhöhung gedämpft, doch der erneute Ölpreisanstieg hat die Debatte neu entfacht.
In der Schweiz veröffentlichte die SNB am 16. Juli das Diskussionsprotokoll ihrer Juni-Lagebeurteilung. Das Direktorium sah keinen unmittelbaren Handlungsbedarf: Der SNB-Leitzins bleibt bei 0,0 Prozent. Die Schweizer Inflation bewegt sich komfortabel im Zielband, kurzfristige Energiepreiseffekte werden nicht als dauerhaftes Problem eingestuft. Für 2026 erwartet die Nationalbank ein Wirtschaftswachstum von rund 1 Prozent.
Gold und Bitcoin: Edelmetall gibt nach
Gold fiel in KW29 deutlich: Das Edelmetall notierte zum Wochenende bei rund 4’001 Dollar pro Unze — auf Wochensicht ein Rückgang von über 3 Prozent. Die Logik ist bekannt: Höhere Ölpreise treiben die Inflationserwartungen, steigende Zinserwartungen machen Gold, das keine Rendite wirft, relativ weniger attraktiv. Im Jahresvergleich liegt Gold trotzdem noch rund 18 Prozent im Plus. Die langfristige Rolle des Edelmetalls als Beimischung zur Portfoliodiversifikation hat sich dadurch nicht verändert — Rücksetzer wie dieser gehören zum Bild.
Bitcoin bewegte sich in KW29 im Bereich von 63’000 bis 65’000 Dollar. Gegenüber dem Jahrestief von rund 58’000 Dollar Anfang Juli zeigt die Kryptowährung relative Stärke, auch wenn die Iran-Schlagzeilen zwischenzeitlich auf die Stimmung drückten. Die grosse Richtungsentscheidung für Bitcoin dürfte erst mit dem Fed-Entscheid Ende Monat fallen.
Ausblick: FOMC-Woche als Richtungsgeber
Die kommende Woche steht ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die FOMC-Sitzung vom 28. und 29. Juli. Für Anleger gilt: Die Volatilität rund um Notenbanksitzungen ist strukturell erhöht — ob die Fed erhöht oder pausiert, wird nicht nur US-Aktien, sondern über Wechselkurse auch den SMI und Schweizer Anleihen beeinflussen. Daneben läuft die US-Berichtssaison weiter mit wichtigen Quartalszahlen aus dem Technologiesektor.
Für langfristig orientierte Anleger gilt: Das Risikomanagement ist in solchen Wochen wichtiger als die Zinsprognose. Wer breit diversifiziert investiert, kann die Schlagzeilen mit Gelassenheit verfolgen — und Rücksetzer wie den in KW29 als das einordnen, was sie strukturell oft sind: normale Schwankungen in einem längeren Aufwärtstrend.
Quellen: Trading Economics SMI, CNBC Markt 17. Juli, Al Jazeera Ölpreis, SNB Protokoll Juni 2026, pricegold.net Gold Juli
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